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Elbrus & Soloradtour - Die Vorbereitung (1)

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Expedition Kaukasus | Vom Bergsteigen, den Menschen und der Soloradtour nach Hause


Die Vorbereitung (1)

von Axel Bauer

Der Wind streicht durch den Kirschbaum vor meinem Fenster. Der Sommerabend ist so lieblich, genau so, wie man sich einen solchen vorstellt. Die Zeit scheint für diesen Augenblick still zu stehen. Ich denke über die Reise in den Kaukasus nach, wäge ab, was ich wohl alles brauchen könnte, oder besser zuhause lassen sollte. Seit einiger Zeit gehe ich schwanger mit der vagen Idee, in der die Begriffe Kaukasus, Elbrus, Fahrrad und ohne das ich es so richtig merke, auch Fernweh vorkommen. Irgendwann ist diese Idee weiter gewachsen und ich habe Tobi, meinen Freund, der letztes Jahr bei der Skirollertour zum Matterhorn dabei war, gefragt, ob er Lust auf etwas Abenteuer hätte (Wibke und Smilla machen dieses Jahr eine kleine Reisepause). Und mit seinem Ja wurde es schnell konkret und für den 10. Juni Flüge gebucht. Seinen mit Rückflug, meinen ohne.
Ich schaue noch immer auf dem Baum vor dem Fenster und merke wie ich abtauche in die unbekannte Welt, sehe die Marktfrauen, die frische Früchte anbieten, höre fremde Klänge und rieche die Garküche mit den duftenden Gewürzen. Der Gedanke ohne Rückflugticket da zu stehen, weckt in mir die Abenteuerlust, lässt das Blut in Wallung kommen. Wie weit ist es vom Kaukasus bis hier zu dem Kirschbaum vor dem Fenster? Wie lange brauche ich mit meinem Fahrrad dafür? Nun, ich weiß es noch nicht. Sicherlich gibt es die Strecke über die Berge, die etwas länger ist, etwas holpriger und einsamer. Diese wird es wohl werden, wenn ich mich treiben lasse. Bei unserem durchplanten und zeitlich strukturierten Leben tut diese Ungewissheit gut. Es erhöht zudem den Reiz, nicht zu wissen, was einen erwartet.
Bei so viel Ungewissheit starten wir unsere Reise doch mit etwas Greifbarem, dem Elbrus. Mit über 5000 m ist er höher als der Mt. Blanc und in Bergsteigerkreisen zum höchsten Berg Europas aufgestiegen. Wer also die seven summits, die höchsten Berge jedes Kontinents besteigen will, muss in Europa den Elbrus bezwingen. Die Franzosen sehen ihren Mt. Blanc als höchsten Berg mitten in Europa aber den Kaukasus in Asien. Die Türken hoffen auf den EU Beitritt, welcher den Ararat in der Osttürkei zum offiziell höchsten Punkt Europas machen würde. Es ist tatsächlich eine Art Glaubensfrage, wo die südöstliche Grenze Europas verläuft. Die Antwort, ob wir einen 4000-er oder 5000-er als höchsten Berg haben, kann momentan keiner mit Gewissheit beantworten.
Der Elbrus, ob in Europa oder schon in Asien, besitzt wie das Matterhorn, eine Art Kultstatus. 15 km nördlich des Kaukasus-Hauptkammes gelegen, erhebt sich der Koloss über alle Gipfel rundherum. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist der Elbrus in die Kataloge der Reiseanbieter gewandert und mehr und mehr Westler zieht es in die Höhen des Kaukasus. Dabei ist das Gebiet höchst brisant. Tschetschenien liegt um die Ecke und Georgien, mit dem sich Russland nicht einig ist, befindet sich südlich des Hauptkammes. Wie sehr würde mich Dagestan reizen, was ein Katzensprung vom Elbrus entfernt liegt, aber von Norden, also der russischen Seite abgeriegelt ist. Dieses Berggebiet ist so abgelegen, dass sich jahrhundertealte Bräuche und Sitten bewahrt haben. Doch unsere Konzentration wird sich auf die Besteigung des 5642 m hohen Elbrus-Westgipfel fokussieren und vielleicht ein Blick von oben auf all die spannenden und verbotenen Gebiete zulassen.

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